Eine verwitterte Fassade lässt ein gepflegtes Haus schnell älter wirken, als es ist. Wer wissen möchte, wie man eine Fassade streicht, braucht vor allem einen tragfähigen Untergrund, die passende Farbe und ein Zeitfenster mit trockenem, mildem Wetter. Ich zeige dir, wie du die Fläche prüfst, vorbereitest, grundierst und in gleichmäßigen Schichten streichst, welche Kosten realistisch sind und wann ein Fachbetrieb sinnvoller ist.
Mit diesen Grundlagen gelingt der neue Fassadenanstrich
- Untergrund prüfen: Lose Farbe, Risse, Feuchtigkeit und Hohlstellen müssen vor dem Streichen behoben werden.
- Farbe passend wählen: Silikonharz-, Silikat- und Dispersionsfarben eignen sich für unterschiedliche Putzarten und Anforderungen.
- Wetter beachten: Ideal sind etwa 10 bis 20 °C, trockene Luft und keine direkte Sonne auf der Wand.
- Zwei Anstriche einplanen: Ein Grundanstrich und ein deckender Schlussanstrich sorgen meist für ein gleichmäßiges Ergebnis.
- Sicherheit ernst nehmen: Für größere Höhen ist ein standsicheres Gerüst sicherer als eine Leiter und oft unverzichtbar.

Vor dem ersten Pinselstrich den Untergrund prüfen
Die meiste Arbeit steckt nicht im eigentlichen Streichen, sondern in der Vorbereitung. Eine neue Farbschicht kann keinen bröckelnden Putz reparieren und hält auf einer staubigen oder feuchten Wand nur scheinbar. Ich beginne deshalb immer mit einer gründlichen Bestandsaufnahme bei Tageslicht.
Risse, Hohlstellen und Feuchtigkeit erkennen
Klopfe verdächtige Stellen mit dem Griff eines Schraubenziehers ab. Klingt der Putz hohl, sitzt er nicht mehr fest und muss geprüft oder entfernt werden. Feine Haarrisse lassen sich häufig mit einer geeigneten Fassaden-Spachtelmasse schließen, während breite, wiederkehrende oder diagonal verlaufende Risse zuerst fachlich beurteilt werden sollten.
Auch feuchte Stellen, abplatzender Putz, Salzausblühungen und dunkle Bereiche sind Warnzeichen. Die Ursache kann ein undichtes Fallrohr, ein beschädigter Sockel oder aufsteigende Feuchtigkeit sein. Einfach darüberzustreichen verschiebt das Problem nur und führt oft dazu, dass die Farbe nach kurzer Zeit wieder abblättert.
Reinigen und Saugfähigkeit testen
Algen, Moos, Staub und Kreidung müssen vollständig entfernt werden. Eine Bürste und Wasser reichen bei leichten Verschmutzungen, bei stärkeren Belägen kann ein Hochdruckreiniger helfen. Dabei darf der Druck den Putz nicht beschädigen. Nach der Reinigung sollte die Fassade je nach Wetter mehrere Tage vollständig trocknen.
Ein einfacher Schwammtest zeigt, ob der Untergrund stark saugt. Wird die Stelle nach dem Befeuchten deutlich dunkler und trocknet sehr schnell wieder auf, ist meist eine Grundierung sinnvoll. Sie gleicht die Saugfähigkeit aus, bindet Staub und verbessert die Haftung des Anstrichs.
Die richtige Fassadenfarbe für Putz und Haus auswählen
Die Farbe muss zum vorhandenen Untergrund passen. Ein mineralischer Putz verlangt nicht automatisch nach derselben Beschichtung wie ein alter Dispersionsanstrich. Im Zweifel prüfe ich die Angaben des Farbherstellers und mache an einer unauffälligen Stelle eine kleine Probefläche.
| Farbtyp | Geeignet für | Besondere Eigenschaft |
|---|---|---|
| Dispersionsfarbe | Viele tragfähige Putz- und Altanstriche | Leicht zu verarbeiten und meist preisgünstig |
| Silikonharzfarbe | Stark wetterbeanspruchte Fassaden | Wasserabweisend und trotzdem relativ diffusionsoffen |
| Silikatfarbe | Mineralische, tragfähige Untergründe | Sehr diffusionsoffen, benötigt eine passende Grundierung |
Diffusionsoffen bedeutet, dass Wasserdampf durch die Beschichtung wandern kann. Das ist besonders bei mineralischen Fassaden wichtig. Eine wasserabweisende Oberfläche ist sinnvoll, darf aber nicht mit einer luftdichten Versiegelung verwechselt werden, wenn im Mauerwerk bereits Feuchtigkeit steckt.
Bei kräftigen oder dunklen Farbtönen solltest du prüfen, ob der Putz und das Dämmsystem dafür geeignet sind. Dunkle Flächen heizen sich in der Sonne stark auf und können bei empfindlichen Fassaden höhere Spannungen verursachen. Für viele Häuser sind gedeckte Naturtöne wie warmes Weiß, Greige, Sand oder ein helles Grau eine langlebige Wahl, die gut zu einem skandinavisch ruhigen Wohnstil passt.
Material und Farbmenge kalkulieren
Du brauchst in der Regel eine Fassadenrolle mit längerem Flor, einen Flachpinsel für Kanten, ein Abstreifgitter, Eimer, Abdeckfolie, Malerkrepp, Grundierung und Reparaturmasse. Die benötigte Farbmenge hängt stark von Putzstruktur und Saugfähigkeit ab. Rechne nach Herstellerangabe und plane einen kleinen Vorrat für Ausbesserungen ein, denn ein später nachgekaufter Farbton kann sichtbar abweichen.
Für einen deckenden Anstrich sind meistens zwei Arbeitsgänge sinnvoll. Stark saugende, kontrastreiche oder reparierte Flächen benötigen unter Umständen zusätzlich einen verdünnten Voranstrich. Die genaue Verdünnung gehört auf das technische Merkblatt, nicht nach Gefühl in den Farbeimer.
Die Fassade Schritt für Schritt streichen
1. Umgebung schützen
Fenster, Türen, Fensterbänke, Bodenflächen, Pflanzen und Außenleuchten werden sorgfältig abgedeckt. Entferne Fallrohre oder andere Bauteile nur, wenn sie sich sicher und ohne Beschädigung lösen lassen. Saubere Abklebekanten entstehen, wenn das Klebeband fest angedrückt und möglichst noch am selben Tag wieder entfernt wird.
2. Schäden ausbessern und grundieren
Lose Farbschichten kratzt du ab und bürstest die Kanten aus. Risse werden geöffnet, entstaubt und mit einer für außen geeigneten Masse geschlossen. Nach der Trocknung folgt die Grundierung gleichmäßig und satt, ohne glänzende Pfützen zu hinterlassen.
Auf neuem Putz gelten die jeweiligen Wartezeiten des Putzherstellers. Eine zu frühe Beschichtung kann die Haftung beeinträchtigen. Bei einem intakten, bereits gestrichenen Untergrund ist nicht immer eine Vollgrundierung nötig, bei stark saugenden oder kreidenden Flächen aber fast immer die bessere Entscheidung.
3. In zusammenhängenden Flächen arbeiten
Rühre die Farbe gründlich auf und streiche zuerst Kanten, Ecken und schwer zugängliche Bereiche mit dem Pinsel. Die großen Flächen bearbeitest du mit der Rolle in gleichmäßigen Bahnen. Ich arbeite abschnittsweise und halte die Ansätze möglichst nass in nass, damit keine sichtbaren Übergänge entstehen.
Bei strukturiertem Putz darf die Rolle nicht zu trocken sein. Zu wenig Material führt zu hellen Stellen in den Vertiefungen, zu viel Farbe bildet Nasen und dicke Ränder. Besonders an Außenecken sammelt sich schnell Material, deshalb solltest du dort nach einigen Minuten noch einmal kontrollieren.
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4. Trocknen lassen und zweiten Anstrich auftragen
Zwischen Grund- und Deckanstrich liegt je nach Produkt häufig eine Wartezeit von etwa 12 Stunden. Entscheidend ist nicht nur, dass die Oberfläche trocken aussieht. Die darunterliegende Schicht muss ausreichend abgebunden sein, sonst kann die Rolle sie wieder anlösen oder verschieben.
Der zweite Anstrich wird meist unverdünnt aufgetragen. Prüfe die Fläche bei seitlichem Licht, bevor du das Gerüst abbaust. Kleine Fehlstellen lassen sich dann noch im gleichen Farbton ausbessern, während ein Nacharbeiten nach Wochen oft deutlich auffälliger bleibt.
Das Wetter entscheidet über Haltbarkeit und Optik
Fassadenfarbe sollte während der Verarbeitung und der gesamten Trocknungszeit mindestens etwa +5 °C bei Luft, Material und Untergrund haben. Am angenehmsten arbeiten die meisten Produkte zwischen 10 und 20 °C. Auch nachts darf die Temperatur nicht in den kritischen Bereich fallen.
Regen, Nebel, Frost und starker Wind sind ungeeignet. Ebenso problematisch ist die direkte Mittagssonne: Die Oberfläche trocknet dann zu schnell an, wodurch Streifen, Ansätze oder unterschiedliche Glanzstellen entstehen können. Eine sonnige Südwand streichst du am besten am Vormittag oder am späten Nachmittag, wenn sie nicht mehr stark aufgeheizt ist.
Plane pro Wandseite ausreichend Zeit ein und beginne nicht kurz vor einer angekündigten Wetteränderung. Ein trockener Tag allein genügt nicht, wenn in der Nacht Tau oder Frost erwartet wird. Ein Gerüstschutznetz kann vor leichter Sonne und Wind helfen, ersetzt aber keine geeignete Wetterlage.
Gerüst, Arbeitsschutz und Kosten realistisch einschätzen
Bei einem eingeschossigen Bereich kann ein stabiles Rollgerüst ausreichen, sofern der Untergrund eben und die Arbeitshöhe überschaubar ist. Für höhere Fassaden ist ein professionelles Gerüst die sicherere Lösung. Arbeite niemals seitlich hinausgelehnt von einer Leiter und trage bei Reinigungsarbeiten Schutzbrille, Handschuhe und geeigneten Atemschutz.
Die Kosten hängen vor allem von Fläche, Gebäudehöhe, Zustand des Putzes, Gerüst und Zahl der Anstriche ab. Für Deutschland liegen einfache professionelle Fassadenanstriche 2026 grob bei 25 bis 55 Euro pro Quadratmeter, wenn normale Vorarbeiten und ein Gerüst enthalten sind. Aufwendige Fälle mit Reparaturen, schwieriger Zugänglichkeit oder mehreren Schichten können eher bei 35 bis 75 Euro pro Quadratmeter liegen.
| Leistung | Grobe Orientierung | Was den Preis verändert |
|---|---|---|
| Material für Eigenleistung | Etwa 3 bis 10 Euro pro m² | Farbtyp, Grundierung, Struktur und Anzahl der Schichten |
| Gerüst | Etwa 6 bis 12 Euro pro m² | Gebäudehöhe, Standzeit und Aufbauaufwand |
| Komplettleistung durch Fachbetrieb | Etwa 25 bis 75 Euro pro m² | Region, Schäden, Zugänglichkeit und gewünschtes Farbsystem |
Bei einer Fassadenfläche von 150 m² ergibt das für einen Fachbetrieb grob 3.750 bis 11.250 Euro. Das ist keine verbindliche Kalkulation, sondern eine Entscheidungshilfe. Hole Angebote nur ein, wenn Reinigung, Risssanierung, Grundierung, Zahl der Anstriche, Gerüst und Entsorgung klar getrennt aufgeführt sind.
Selberstreichen lohnt sich besonders, wenn der Putz intakt ist, du genügend Helfer hast und das Gerüst ohnehin benötigt wird. Bei großflächigem Putzschaden, Feuchtigkeit, WDVS-Fassaden oder unsicherer Arbeitshöhe würde ich die Vorprüfung und zumindest die gefährlichsten Arbeiten einem Fachbetrieb überlassen.
Der Anstrich bleibt länger schön, wenn du diese Details einplanst
Nach dem Streichen lohnt sich ein kurzer Kontrollgang rund um Fensterbänke, Sockel, Dachüberstände und Fallrohre. Dort beginnt die Verwitterung oft früher als auf der freien Wand. Wenn Regenwasser sauber abläuft und Spritzwasser vom Sockel ferngehalten wird, altert die Beschichtung deutlich gleichmäßiger.
Bewahre einen gut verschlossenen Rest Farbe mit Farbton, Produktname und Kaufdatum auf. Für spätere Reparaturen ist dieser kleine Vorrat meist wertvoller als ein neuer Eimer, selbst wenn beide laut Etikett denselben Farbton haben. So bleibt die Fassade nicht nur frisch, sondern lässt sich auch mit überschaubarem Aufwand dauerhaft pflegen.